Geschichten aus 85 Jahren SEW-EURODRIVE: Karl-Heinz Kling

Karl-Heinz Kling
Karl-Heinz Kling1. Bürgermeister Stellvertreter Graben-Neudorf

Was wäre unsere Gemeinde ohne die Industrie?

Die SEW-EURODRIVE feiert ihren 85. Geburtstag. Als Vertreter der Gemeinde spreche ich der gesamten, verantwortlichen Unternehmungsleitung und allen Angehörigen meine herzlichen Glückwünsche aus! Möge Ihre Firma auch weiterhin vielen Bürgerinnen und Bürgern den Arbeitsplatz sichern und eine erfolgreiche Weiterentwicklung nehmen.


Lassen Sie mich ehrlich bekennen: Für unsere Gemeinde ist ein auf Ort und Landschaft zugeschnittener Industriebetrieb ein Segen. Was wäre unsere Gemeinde ohne die Industrie? Darum ist die Industrie in einer Gemeinde nicht nur Privatangelegenheit des Unternehmers. Zu viel ist vom Wohlergehen des Betriebes abhängig.

Geht es den Wirtschaftsunternehmen in der Gemeinde gut, dann wirkt sich das auf alle Familien aus. Hat der Betrieb wirtschaftliche Schwierigkeiten, so leiden alle darunter.


Aus dieser Einsicht ergeben sich einige Verpflichtungen:

  • Der Bürgermeister, der Gemeinderat und die Gemeindeverwaltung müssen nach besten Kräften mit den vorhandenen Möglichkeiten die Betriebe ihres Gemeinwesens fördern.
  • Die Angestellten und Arbeiter des Betriebes müssen alles tun, um beste Qualitätsarbeit zu leisten, damit der gute Ruf der Firma mithilft, die Erzeugnisse zu vermarkten. Denn die Konkurrenz, auch aus dem Ausland, wartet nur auf eine Chance.
  • Die Leitung des Unternehmens wird aus ihrer sozialen Verpflichtung heraus unentwegt bemüht sein, durch Marktforschung, Strukturverbesserung und überzeugender Werbung eine möglichst krisenfeste Weiterentwicklung zu gewährleisten.


Unter Bürgern der Gemeinde fiel kürzlich das Wort: „Unser Betrieb“. Damit wurde das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den Betrieben und der Bürgerschaft treffend ausgesprochen. Es gibt somit nicht nur eine Betriebsgemeinschaft, sondern auch eine gemeinschaftliche Verbundenheit zwischen der Industrie und den Einwohnern.


Dass diese Verbundenheit noch weiter wachsen möge, das wünsche ich allen Unternehmen in unserer Gemeinde und damit auch dem Jubilar, unserer SEW-EURODRIVE von ganzen Herzen

Für Graben-Neudorf, für die Entwicklung der Gemeinde, war und ist dieses Unternehmen ein Glücksfall. Ja, nach 85 Jahren kann man sagen, dass mehrere Familiengenerationen ihren Lebensunterhalt als Mitarbeiter in diesem Unternehmen sichern konnten. Der Wohlstand vieler gründete sich auf einem sicheren Beschäftigungsverhältnis bei der SEW-EURODRIVE.

Karl-Heinz Kling
Karl-Heinz Kling
SEW-EURODRIVE in Graben-Neudorf 1950
SEW-EURODRIVE in Graben-Neudorf 1950

Erfolgsgeschichte sucht in der deutschen Wirtschaft ihresgleichen

Gerne blicken wir auf 85 Jahre zurück und betrachten uns, was in diesen Jahren alles passiert ist und wie alles angefangen hat:


Am 05.11.1948 stellte der Landrat des Kreises Karlsruhe mit einem nachrichtlichen Schreiben an die Gemeinde Graben fest:


„Der Firma Süddeutsche Elektromotoren-Werke in Bruchsal wurde mit Erlass des Präsidenten des Landesbezirks Baden – Abteilung Wirtschaft und Verkehr - vom 28. Oktober 1948 … die Genehmigung zur Errichtung eines Zweigbetriebes in Graben zur Herstellung von Normalmotoren erteilt.“


Mit dieser Genehmigung begann eine Erfolgsgeschichte, die in der deutschen Wirtschaft ihresgleichen sucht. Was ging diesem „Zweitwerk“ voraus?

  • Bereits 1931 wurden die Süddeutschen Elektromotorenwerke in Bruchsal gegründet. Der Bankkaufmann Christian Pähr etablierte seine Firma auf einem Feld, dem die Zukunft gehören sollte. Maschinen, die mittels komplizierter Transmissionsriemen von zentralen Motoren angetrieben wurden, waren ein Auslaufmodell. Sie wurden immer mehr durch Einzelantriebe per Getriebemotor ersetzt. Und in Bruchsal entwickelte und produzierte man genau diese neuen, vielseitig einsetzbaren Motoren mit einigem Erfolg.
  • Schon 1941, zehn Jahre nach dem Start, wurden 166 Mitarbeiter in Bruchsal an der Durlacher Straße beschäftigt.
  • 1945 ging die Geschäftsführung von Pährs Witwe an Schwiegersohn Ernst Blickle über, der diese Funktion bis 1986 innehatte. Unter Herrn Blickle begann der Aufstieg des Betriebes von einem kleinen, regional tätigen Unternehmen zu einer weltweit aktiven und in der Betriebstechnik führenden Unternehmensgruppe.
  • Die für das heutige Graben-Neudorf zentrale Entscheidung erging mit dem o.g. Genehmigungsbescheid. Die alten Bruchsaler Gebäude reichten für die schnell wachsende Produktion nicht mehr aus und so entschloss man sich zum Bau eines neuen Produktionswerkes im nahen und günstig zur Bahn gelegenen Graben. Als erstes entstand eine 500 qm große Werkshalle, die der Herstellung von Zulieferteilen für die Bruchsaler Motorenfertigung diente. Der Ausbau des Grabener Werkes wurde zügig vorangetrieben.
  • Bereits 1958 konnte die Verlagerung der Produktion von Bruchsal nach Graben abgeschlossen werden. Um größere Stückzahlen produzieren zu können, war es nötig, die Grenzen des deutschen Marktes zu überwinden. Die SEW entwickelte sich so zu einem Weltunternehmen, wie wir es heute kennen.
  • Zum 50. Gründungsjubiläum 1981 konnte das Unternehmen über ein weit verzweigtes Netz von 22 Montagewerken in 18 Ländern verfügen, in denen mehr als 3.300 Mitarbeiter beschäftigt waren. Die Dynamik hielt auch unter den Nachfolgern von Ernst Blickle, vor allem seinem Sohn Rainer Blickle, an. Im Jahre 2003 wurde mit der Leistung von 9.000 Mitarbeitern die Schwelle von 1 Milliarde Euro Umsatz überschritten. In Graben-Neudorf leisteten dazu 1.400 Beschäftigte ihren Beitrag.


Bei der Eröffnung der neuen Elektronikfabrik in Bruchsal am 23.06.2000 war Ministerpräsident Erwin Teufel geladen. Aus seiner Ansprache dürfen folgende Worte zitiert werden:

"Die SEW ist der Motor des Fortschrittes und sorgt dafür, dass die Welt in Bewegung bleibt.“

Druckfehler oder Wirklichkeit?

Man erinnert sich auch gerne an einen Zeitungsartikel in der BNN vom 22.11.1999. Der bekannte Regionalredakteur Bertold Moss begann seinen Bericht:

„Heute ist die SEW-Eurodrive in 39 Ländern vertreten, 6.897 Mitarbeiter und erwirtschaftet rund 1,57 Milliarden Mark Umsatz.“
"Man schrieb das Jahr 1970. In aller Herrgottsfrühe rief uns ein ebenso bekannter wie erfolgreicher Bruchsaler Geschäftsmann an: „Heut‘ habt Ihr aber einen schönen Druckfehler in eurer Zeitung, da ist euch das Komma verrutscht!“ „Mitnichten – die Zahl stimmt!“ Kurzes Luftholen am anderen Ende der Leitung: „Und das in dem alten Schuppen in der Durlacher Straße?“ „Jein“, lautete die Antwort, „da müssten Sie schon mal nach Graben gehen“. Was war passiert? Die Bruchsaler Rundschau hatte zum ersten Mal den Umsatz der SEW – 1970 erreichte er 97 Millionen Mark bei damals 1820 Beschäftigten - veröffentlicht."

Zwei, drei Jahre später stand im gleichen Blatt: „Die SEW ist der größte Getriebemotorenhersteller der Welt“ und einige Zeit danach war zu lesen (eine Feststellung, die amerikanische Experten getroffen hatte) „Die SEW hat das technisch modernste Getriebemotorenwerk weltweit.“ Kaum einer wusste damals, dass die bedeutendste Unternehmerpersönlichkeit im Nachkriegs-Bruchsal, Ernst Blickle, bereits zwei Jahre zuvor (1968) erstmals seine erfolgreiche Firmenphilosophie mit dem Bau eines ersten Montagewerks in Schweden umgesetzt hatte: „Zentral fertigen, dezentral montieren!“


SEW-EURODRIVE ist für die Entwicklung von Graben-Neudorf ein Glücksfall

Über die Erfolgsgeschichte SEW Eurodrive gibt es in den zurückliegenden 85 Jahren sicherlich Vieles zu berichten. Die Archive mit Zeitungsberichten hierzu sind gut gefüllt. Für Graben-Neudorf, für die Entwicklung der Gemeinde, war und ist dieses Unternehmen ein Glücksfall. Ja, nach 85 Jahren kann man sagen, dass mehrere Familiengenerationen ihren Lebensunterhalt als Mitarbeiter in diesem Unternehmen sichern konnten. Der Wohlstand vieler gründete sich auf einem sicheren Beschäftigungsverhältnis bei der SEW Eurodrive.


Zurzeit investiert das Unternehmen kräftig in einen weiteren Ausbau des in Graben-Neudorf ansässigen Firmenkomplexes. Weitere Arbeitsplätze werden sich daraus entwickeln lassen. Somit hat die SEW mit ihrer Dynamik aber auch Wertbeständigkeit und Zuverlässigkeit mit dazu beigetragen, dass sich gerade auch junge Familien in Graben-Neudorf ansiedeln und hierbei die SEW als sicheren Standortfaktor in der weiteren Lebensplanung mit einbinden.


Die SEW wäre nicht die SEW, wenn da nicht noch mehr wäre, wie nur Firmenerfolg.

„Der Gebrauch der Kräfte, die man hat, ist man denen schuldig, die sie nicht haben.“ Mit diesen Worten von Carl Schurz, einer unserer badischen Revolutionäre von 1848/1849 begann Bürgermeister Hans D. Reinwald seine Laudatio zur Ehrung von Rainer Blickle anlässlich der Verleihung der Ehrenbürgerschaft. Auch er hob hier das zweipolige Wirken des verantwortlichen geschäftsführenden Gesellschafters hervor. Zum einen das Unternehmen, das Produktionswerk in Graben. Daneben benannte er aber auch sein Engagement für die Gemeinde und ihre Bürgerinnen und Bürger, sei es im sozialen, menschlichen, kulturellen oder vereinlichen Bereich.


Soziales und menschliches Engagement

Was viele überhaupt nicht wissen, Herr Rainer Blickle engagierte sich dauerhaft für soziale Belange in unserer Gemeinde, so wäre z.B. der CAP-Markt, ein Supermarkt, der von Behinderten betrieben wird, in unserer Gemeinde ohne seine Unterstützung nicht möglich gewesen. Auch beim „Festival der guten Taten“ zeigte die SEW-EURODRIVE ihr soziales und menschliches Engagement gerade gegenüber den Schwächsten und Hilfebedürftigsten in unserer Gesellschaft.


Vieles in Graben-Neudorf wäre nicht denkbar und möglich gewesen ohne das Wirken von Rainer Blickle und der SEW-EURODRIVE. Auch Vereine und Organisationen profitierten von dem großen Engagement und wussten dies zu schätzen. Die örtlichen Schulen und Kindergärten durften sich im Verlauf der Jahre ebenfalls über nicht unbedeutende Zuwendungen freuen.


Herr Bürgermeister Reinwald bezeichnete den Geehrten als eine Persönlichkeit, der sich in eine lange Reihe großer deutscher Unternehmerpersönlichkeiten einreiht, die stets ein hohes Verantwortungsbewusstsein für den Menschen und eine Verbundenheit zur Heimatregion empfunden haben. Maßstab seines Handelns, sowohl unternehmerisch, wie auch für unsere Gemeinde und ihre Menschen, war stets der Anspruch, Gerechtigkeit walten zu lassen.


Sicherlich empfand Herr Rainer Blickle die Auszeichnung mit der Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Graben-Neudorf als große Ehre. Ich bin mir aber auch ganz sicher, dass es vielen Bürgerinnen und Bürgern ein Bedürfnis und eine Ehre war, diesem Menschen mit dieser Auszeichnung ihre tiefste Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen.


Wenn ich an dieser Stelle nochmals auf meine einführenden Worte zurückblicken darf, so darf man feststellen, dass die Graben-Neudorfer aus ganzem Herzen auch heute noch sagen: „Unser Betrieb, unsere SEW."

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