Bruchsal, Hannover, 19.04.2024 • Maßgeschneiderte, effiziente Lösungen aus dem Baukasten von SEW-EURODRIVE können für die Baustoffindustrie einen wichtigen Beitrag leisten, nachhaltiger zu werden. Das gilt dort im besonderen Maße für den letzten Prozess-Schritt, der Logistik. Dort werden die Fertigprodukt-Gebinde vom Lager bis hin zum Warenausgang abgewickelt. Diesem zugleich aufwändigsten und komplexesten Prozess in der Baustoffindustrie widmet SEW-EURODRIVE auf der Messe sein großes Bewegungsmodell und zeigt dort live das exakte Zusammenspiel seiner Antriebs- und Automatisierungstechnik.
Die wesentlichen Stationen und Anlagenkomponenten, die SEW-EURODRIVE im großen Bewegungsmodell live auf der HANNOVER MESSE zeigt, sind:
Lager und Regalbediengerät
Die Antriebstechnik im Regalbediengerät (RBG) ist mit MOVILINK® DDI ausgestattet. Damit genügt ein Hybridkabel (Einkabeltechnik) sowohl für die Leistungsversorgung als auch für den Datenaustausch. Sicherheitstechnisch ermöglicht eine integrierte CSA31A-Erweiterungskarte die sichere Position und damit ein pufferloses Lager. Für die Baustoffindustrie ist das ein wichtiger Vorteil in Richtung verbesserter Nachhaltigkeit. Denn durch das Einsparen des dort gängigen hydraulischen Puffers wird Platz frei, der entweder für die kleinere Planung des Lagers bzw. des Lagergebäudes oder zur Realisierung einer größeren Lagerfläche genutzt werden kann.
Für die Motion Control im RBG setzt SEW-EURODRIVE das vorkonfigurierte Softwaremodul MOVIKIT® StackerCrane ein. Mit diesem ohne Programmierkenntnisse parametrierbaren Tool lässt sich das Fahrprofil so anpassen, dass viel regenerative Energie zwischen den Achsen ausgetauscht wird. Das ermöglicht eine um 80 Prozent kürzere Inbetriebnahmezeit. Für höhere Effizienz und Betriebssicherheit im Lager sorgen darüber hinaus die Power and Energy Solutions (PES) von SEW-EURODRIVE. Durch Einsatz dieses Energiemanagementsystems kommt die komplette Applikationsleistung im RBG aus den Speicherkondensatoren. Das verringert die benötigte Netzleistung um das Achtfache und damit auch die Leistungsspitzen aus dem Versorgungsnetz. Dementsprechend kann der Kunde alle Kabelquerschnitte verkleinern und seine Installationsaufwände verringern. Mit PES lassen sich außerdem bis zu 40 Prozent Energie einsparen. Weiterer Pluspunkt für den Anlagenbetreiber ist, dass er mit dieser Lösung einen Netzausfall abfangen kann, in dem das RBG den Zyklus entweder noch zu Ende fährt oder in eine sichere Position geht, bis es den Betrieb erneut aufnehmen kann, sobald das Netz wieder verfügbar ist.
Abholen der Gebinde vom Lager und Übergabe an den Roboter
Im Großmodell zeigt SEW-EURODRIVE zwei verschiedene Prozesse und Fahrzeuge, mit denen die Gebinde vom Lager zum lagenbildenden Roboter gebracht werden. Auf der einen Seite erfolgt der Transport über ein autonomes Brennstoffzellen-Fahrzeug. Dabei handelt es sich um eine funktionsfähige Konzeptstudie des Bruchsaler Antriebsspezialisten. Dieses mobile Assistenzsystem fährt wahlweise mittels einer Methanol-Brennstoffzelle oder batteriebetrieben. Wie der automatisierte Wechsel von einem Modul auf das andere im laufenden Betrieb funktioniert, zeigt eine ins Modell integrierte Wechselstation. Dieses Fahrzeug fährt zum Lager, bekommt vom RBG die Gebinde aufgesetzt und bringt diese dann zum Roboter.
Alternativ werden die Fertigprodukte vom RBG auf Übergabeböcke ausgelagert. Von dort übernimmt ein mobiler Logistikassistent mit zwei Lastaufnahmemitteln (Teleskopen) die Gebinde automatisiert und bringt sie zum Knickarmroboter. Damit dieses Fahrzeug verschiedene Übergabehöhen anfahren kann, verfügt es über einen integrierten Hub.
Knickarmroboter – Bilden von Lagen
Der Knickarmroboter ist für eine Nennlast von 45 Kilogramm und einen Arbeitsbereich von 2,1 Metern ausgelegt. Die darin verbaute Antriebstechnik wird komplett von SEW-EURODRIVE beigesteuert. Dazu gehören hocheffiziente Servoantriebe, ein Applikationsumrichter MOVIDRIVE® modular sowie ein MOVI-C® CONTROLLER UHX65A, der eine Motion Control basierend auf einer Quad-Core-Intel-CPU ermöglicht. Für Bahnsteuerung, Handling und Kinematik kommt das einfach parametrierbare Softwaremodul MOVIKIT® Robotics zum Einsatz. Der Roboter erkennt via Kamera am TCP (Tool Center Point) die auf jedem Gebinde und jeder Palette aufgebrachten individuellen QR-Codes. Mit seinem Greifersystem entnimmt er selbststätig die angelieferten Gebinde und setzt je eine Lage à vier Gebinde auf einem weiteren autonomen Fahrzeugtyp ab. Dieser Logistikassistent ist mit einem integrierten Rollenförderer ausgestattet und bringt die für Lagenbildung benötigte Palette gleich mit.
Palettierer – Stapeln von Lagen auf Europalette
So bestückt fährt der Logistikassistent selbsttätig weiter zum Palettierer und übergibt dort über seine integrierte Rollenbahn die bestückte Palette an die Fördertechnik des Palettier-Portals. Der Palettierer befindet sich bereits in Warteposition, senkt ab, schiebt mit seinen Greifern die vier ankommenden Gebinde noch einmal sanft zusammen, hebt sie gemeinsam und schonend durch Anpressdruck an, bewegt sie in Parallelbewegung zu einer der beiden Übergabestationen und setzt dort die Gebindelage ebenso sanft auf einer Europalette ab. Anschließend fährt der Palettierer zu seiner Ausgangsposition zurück, um von dort auf gleiche Weise eine neue Lage mit vier weiteren Gebinden aufzugreifen und diese in der Übergabestation auf die erste Lage zu stapeln.
Auch der Palettierer ist hierfür komplett mit Antriebstechnik aus dem Automatisierungsbaukasten MOVI-C® von SEW-EURODRIVE ausgestattet. Für präzises Heben, Rotieren bzw. Fahren sorgt ein CM3C..-Servomotor, mit dem sich auch große Lasten mit hoher Dynamik und Präzision von A nach B positionieren lassen. Das einfach parametrierbare Softwaremodul MOVIKIT® Robotics CARTESIAN GANTRY ermöglicht die Koordination einer optimalen Bahnkurve und ruckfreie Bewegungen.
Autonome mobile Logistikassistenten
Für den Transport der mit zwei Lagen beladenen Europalette ist im Großmodell ein vierter Fahrzeugtyp unterwegs. Hierbei handelt es sich um ein ebenso kompaktes wie leistungsstarkes Assistenzsystem, das bis zu 1,5 Tonnen transportieren kann. Dieses Fahrzeug bringt die volle Palette vom Palettierer zum Flächenspeicher und übernimmt auch den anschließenden Abtransport. Durch seine omnidirektionale bzw. flächenbewegliche Fahrweise, kann das Fahrzeug im Flächenspeicher optimal agieren.
Alle vier gezeigten autonomen Fahrzeuge beruhen auf dem modularen Baukasten für mobile Assistenzsysteme von SEW-EURODRIVE. Damit erweist sich auch hier das Baukastendenken des Bruchsaler Unternehmens als wichtiger Vorteil für den Kunden: Der Engineering-Aufwand wird damit deutlich reduziert, Projekte lassen sich schnell umsetzen und auch die Entwicklungskosten für kundenindividuelle Fahrzeuge fallen niedrig aus.
Die kontaktlose Energieversorgung wird im Großmodell anhand von MOVITRANS® spot (induktive Energieversorgung über einen Ladepunkt) sowie MOVITRANS® line (berührungslose Energieversorgung entlang einem frei verlegbaren Linienleiter) gezeigt. Zusätzlich als Besonderheit mit im Modell: das stationäre MOVITRANS® Einspeisebundle, das als vordefinierte, vormontierte und geprüfte Einheit die Energie bereitstellt. Alle im Großmodell gezeigten Komponenten und Systeme sind sehr gut für die rauen Bedingungen in der Baustoffindustrie geeignet.
Logistisch koordiniert werden die vier mobilen Assistenten über die Softwarelösung MAXOLUTION® connected von SEW-EURODRIVE. Dieses Softwarepaket beinhaltet den Flottenmanager, die Fahrzeugsoftware und einen Streckendesigner. Über standardisierte VDA-5050-Schnittstellen sind in den Flottenmanager auch Fremdfahrzeuge integrierbar, umgekehrt können die Fahr-zeuge von SEW-EURODRIVE auch mit dem Flottenmanager des Kunden bzw. eines Drittanbieters agieren. Der Kunde gewinnt dadurch die immer wichtiger werdende Offenheit und macht damit einen weiteren großen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit.
Lagern, Transportieren, Handling und Palettieren: SEW-EURODRIVE zeigt live das exakte Zusammenspiel seiner Antriebs- und Automatisierungstechnik.