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Kunde: Sidel

Ort:
Saint-Laurent-sur-Sèvre, Frankreich

Branche:
Lebensmittel / Getränke

Applikation:
Palettierung, Palettenhandling

Die Realität in der Getränkeindustrie

In der Getränkeindustrie liegt der Fokus bei der Optimierung von Produktionslinien meist auf zentralen Prozessschritten wie dem Abfüllen oder Verpacken. Hier entscheiden Verfügbarkeit und Geschwindigkeit direkt über den Output. Gleichzeitig zeigt sich in der Praxis, dass auch nachgelagerte Prozesse Einfluss auf die Gesamtperformance haben. Sie stehen selten im Mittelpunkt, tragen aber maßgeblich dazu bei, wie stabil und durchgängig eine Linie läuft. Gerade im Bereich der Palettenhandhabung sind viele Strukturen über Jahre gewachsen. Fördertechnik, Staplerverkehr und manuelle Eingriffe greifen ineinander und funktionieren zuverlässig, lassen sich jedoch oft nur mit Aufwand an neue Anforderungen anpassen.

Wenn der Prozess zum entscheidenden Faktor wird

Moderne Palettierlösungen sind heute leistungsfähig und technisch ausgereift. Sie erfüllen die Anforderungen an Geschwindigkeit, Präzision und Integration in unterschiedlichste Linienkonzepte. In der Anwendung rückt jedoch ein anderer Aspekt in den Vordergrund: das Zusammenspiel mit dem Materialfluss rund um die Anlage. Genau an dieser Schnittstelle entscheidet sich, wie effizient eine Lösung im Alltag wirklich arbeitet. Ein konkretes Beispiel aus der Praxis zeigt, wie sich dieser Bereich weiterentwickeln lässt.

Kunde: Sidel

Ort: Saint-Laurent-sur-Sèvre, Frankreich

Branche: Lebensmittel / Getränke / Haushalts- und Körperpflegeprodukte

Applikation: Palettierung, Palettenhandling

Sidel entwickelt Lösungen für die Getränke- und Verpackungsindustrie und gehört weltweit zu den bekannten Anbietern im Bereich Abfüllung, Verpackung und Palettierung. Am Standort Saint-Laurent-sur-Sèvre in Frankreich arbeiten rund 200 Mitarbeitende an Robotik- und End-of-Line-Technologien. Im Mittelpunkt steht dabei nicht mehr nur die einzelne Maschine, sondern das Zusammenspiel kompletter Produktions- und Logistikprozesse.

  • Automatisierung manueller und körperlich belastender Tätigkeiten im End-of-Line-Bereich
  • zuverlässige, einfache und kosteneffiziente Lösung für die Abfuhr fertiger und die Bereitstellung leerer Paletten
  • kompakte Integration in die bestehende industrielle Umgebung
  • weniger feste Infrastruktur und mehr Flexibilität bei Layout- und Prozessanpassungen
  • erhöhte Sicherheit in Bereichen mit intensivem Staplerverkehr

Ein neuer Blick auf den Materialfluss

Mit dem RoboAccess_Pal S hat Sidel eine Palettierlösung entwickelt, die alle Anforderungen von Getränkeherstellern adressiert: Die Maschine ist kompakt aufgebaut, flexibel zwischen Linien einsetzbar und ermöglicht sichere Eingriffe für Bediener, sowohl beim Entnehmen fertiger als auch beim Zuführen leerer Paletten. Dank der motorisierten Säule lassen sich zudem Palettenhöhen von über zwei Metern realisieren. Technisch ist die Lösung ausgereift. Und genau deshalb zeigt sich im praktischen Einsatz ein anderer, entscheidender Punkt. Was dem RoboAccess_Pal S ursprünglich fehlte, war nicht Leistung und auch keine zusätzliche Funktion. Es war die Anbindung an den nächsten Schritt. Denn am End-of-Line entsteht immer derselbe kritische Moment: Fertige Paletten müssen abgeführt werden, während gleichzeitig neue zur richtigen Zeit bereitstehen müssen. Dieser Ablauf wurde bislang organisiert – häufig mit umfangreicher Infrastruktur, die Platz benötigt, Wartung verursacht und nur begrenzt flexibel ist.

  • Integration eines autonomen Transportsystems direkt an der Maschine, statt klassische Palettenhandhabungssysteme weiter auszubauen
  • Ein Fahrzeug übernimmt zwei Aufgaben gleichzeitig: Entnahme fertiger Paletten aus dem Prozess und Bereitstellung neuer Paletten.
  • Einsatz einer standardisierten Fahrzeugplattform mit 1.500 × 1.000 mm Abmessung, Lastaufnahme auf 450 mm Höhe, Transport von bis zu 1.250 kg und Fahrgeschwindigkeiten bis 1,6 m/s
  • Anpassung an unterschiedliche Lasten über eine Schnittstellenplatte, sodass verschiedene Palettenformate, Behälter oder unverpackte Teile transportiert werden können.
  • SEW-EURODRIVE-Technologie im Fahrzeug: Servogetriebemotor, MOVIMOT®, MOVI-C® CONTROLLER UHX25A und MOVITRANS® für kontaktlose Energieversorgung und schnelles Zwischenladen

Sidel entscheidet sich bewusst gegen den Ausbau klassischer Palettenhandhabungssysteme. Statt zusätzliche Infrastruktur zu installieren, wird die bestehende Lösung gemeinsam mit SEW USOCOME und SEW-EURODRIVE erweitert – durch ein autonomes Transportsystem, das direkt an der Maschine ansetzt. Dieses Fahrzeug übernimmt zwei Aufgaben gleichzeitig: Es entnimmt fertige Paletten aus dem Prozess und stellt gleichzeitig neue bereit. Ein kompletter Prozessschritt wird damit überflüssig.

Bewährte Antriebstechnik im Zentrum

Im Inneren des Fahrzeugs arbeitet durchgängig Technologie aus dem Portfolio von SEW-EURODRIVE. Ein Servogetriebemotor übernimmt die Bewegung, gesteuert über einen flexiblen MOVIMOT®-Umrichter und den MOVI-C® CONTROLLER UHX25A. Die Energieversorgung erfolgt kontaktlos über das induktive System MOVITRANS®, das ein schnelles Zwischenladen an definierten Punkten ermöglicht. Diese Technologien sind nicht neu, sie sind bewährt. SEW-EURODRIVE entwickelt und produziert seit rund zehn Jahren fahrerlose Transportsysteme und bringt diese Erfahrung gezielt in die Lösung ein.

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  • schlankerer Materialfluss am End-of-Line durch den Wegfall eines zusätzlichen Prozessschritts
  • weniger feste Infrastruktur, geringerer Platzbedarf und reduzierter Wartungsaufwand
  • höhere Flexibilität bei Änderungen im Layout oder in den Prozessen, besonders in bestehenden Anlagen
  • weniger manuelle Eingriffe und weniger Staplerverkehr, dadurch höheres Sicherheitsniveau im gesamten System
  • anpassungsfähige, zukunftsfähige End-of-Line-Lösung für die Anforderungen der Getränkeindustrie

Standardplattform statt Sonderlösung

Die eingesetzte Lösung basiert auf einer standardisierten Fahrzeugplattform. Entscheidend ist dabei die Anpassungsfähigkeit: Über eine Schnittstellenplatte wird das Fahrzeug mit der jeweiligen Last verbunden. So lassen sich nicht nur unterschiedliche Palettenformate transportieren, sondern auch Behälter oder unverpackte Teile – ohne die Plattform selbst verändern zu müssen.

Was sich am End-of-Line verändert

Durch die Integration mobiler Robotik wird der Materialfluss schlanker und besser an die realen Anforderungen angepasst. Der Bedarf an fester Infrastruktur sinkt, gleichzeitig entsteht mehr Spielraum für Veränderungen im Layout oder in den Prozessen. Gerade in bestehenden Anlagen ist das ein entscheidender Vorteil, da Anpassungen möglich werden, ohne tief in die Struktur der Linie eingreifen zu müssen. Es geht allerdings nicht nur um Materialfluss: außer Acht gelassen wird oft die positiven Auswirkungen auf die Sicherheit. In Bereichen mit intensivem Staplerverkehr entstehen regelmäßig kritische Situationen. Indem automatisierte Transportsysteme den Transport übernehmen, reduzieren sie direkte Eingriffe und ersetzen Verkehrsbewegungen. Dadurch steigt das Sicherheitsniveau nicht punktuell, sondern im gesamten System.

Eine Zusammenarbeit mit Kontinuität

Die Zusammenarbeit bei diesem Projekt ist kein Einzelfall. Sidel und SEW-EURODRIVE arbeiten seit Jahren im Bereich der Antriebstechnik und Automatisierungslösungen für Verpackungsmaschinen zusammen. Die Integration des Transportsystems ist daher nur die konsequente Weiterentwicklung dieser Partnerschaft. Dieser Ansatz wirkt auf den ersten Blick unscheinbar, hat im Betrieb jedoch spürbare Effekte. Sidel ersetzt keine Maschine und keinen einzelnen Prozessschritt. Sidel ersetzt einen Ansatz. Statt zusätzliche Technik aufzubauen, wird bestehende Komplexität reduziert und durch eine flexible, integrierte Lösung ergänzt. In Kombination mit der Antriebstechnologie von SEW-EURODRIVE entsteht so ein End-of-Line, der weniger Platz benötigt, weniger Wartung verursacht und gleichzeitig sicherer und anpassungsfähiger ist. Der Unterschied liegt nicht in mehr Technik, sondern in einem System, das besser zusammenpasst.

Relevanz für die Getränkeindustrie

Mobile Robotik ist in der Industrie angekommen. Autonome Transportfahrzeuge (AGVs/AMRs) bewegen Materialien, versorgen Produktionslinien und übernehmen Aufgaben, die lange als klassische Intralogistik galten. Gerade in der Getränkeindustrie, wo hohe Durchsätze und standardisierte Abläufe dominieren, ist der Nutzen eindeutig: effizienter Transport, weniger manuelle Eingriffe, mehr Automatisierung. Verstärkt wird dieser Effekt durch eine wachsende Variantenvielfalt, häufigere Formatwechsel und einen zunehmenden Flexibilitätsbedarf. In diesem Umfeld zahlt sich ein beweglicher Materialfluss besonders aus. Die mobile Robotik entkoppelt den Materialfluss der festen Infrastruktur und macht ihn beweglich. Statt Güter entlang definierter Linien zu transportieren, entstehen flexible Prozesse, die sich dynamisch anpassen lassen. Damit verschiebt sich die Perspektive grundlegend: vom reinen Transport von A nach B hin zur Gestaltung eines flexiblen, durchgängigen Gesamtsystems.

Standardisierte Lösungen erleichtern die Umsetzung

Ein wichtiger Erfolgsfaktor liegt in der Verfügbarkeit standardisierter Plattformen. Moderne autonome Transportfahrzeuge lassen sich für unterschiedliche Lasten einsetzen und über Schnittstellen an spezifische Anforderungen anpassen. Das erleichtert sowohl den Einsatz in neuen Anlagen als auch die schrittweise Integration in bestehende Umgebungen. Projekte bleiben überschaubar und lassen sich mit kalkulierbarem Aufwand umsetzen. Hier zeigt sich deutlich der Mehrwert von SEW-EURODRIVE und seinen Robotik-Lösungen.

Stimmen aus dem Projekt

Die Anforderungen unserer Kunden im End-of-Line-Bereich richten sich klar auf Automatisierung, um manuelle Tätigkeiten zu ersetzen, die für Bediener körperlich belastend sein können, und Kunden erwarten Lösungen, die zuverlässig und einfach sind, kosteneffizient und kompakt, damit sie sich in ihre industrielle Umgebung integrieren lassen.
Fabien Chiron, Leiter Entwicklung und Innovation End-of-Line bei Sidel

„Vor allem im End-of-Line-Bereich. Hier übernehmen mobile Systeme Aufgaben wie die Sortierung sowie den Transport von Paletten, etwa zum Warenausgang, zu Sortiersystemen oder in Verpackungszellen. Auch rund um die Abfülllinie sehen wir klare Use Cases: Mobile Robotik versorgt Anlagen mit Materialien wie Etiketten oder übernimmt den Abtransport von Ausschuss, zum Beispiel beschädigten Flaschen oder Gläsern. Und das Potenzial geht noch deutlich weiter: Entlang der gesamten Intralogistik, überall dort, wo Material flexibel und prozesssicher bewegt werden muss.“

„Der größte Hebel ist die Flexibilität. Mobile Robotik entkoppelt den Materialfluss von starren Förderstrukturen. Prozesse lassen sich anpassen, Layouts verändern, Kapazitäten skalieren. Gerade in der Getränkeindustrie, wo sich Produkte, Gebindegrößen und Linienkonzepte ständig weiterentwickeln, ist das ein entscheidender Vorteil. Diese Anpassungsfähigkeit wird zunehmend zum Wettbewerbsfaktor. Die mobilen Roboter sind modular aufgebaut, bieten Flexibilität, Effizienz und Wandelbarkeit für die zukunftssichere und smarte Automatisierung in Produktion, Montage und Logistik. Sie lassen sich gut sowohl bei Neuanlagen als auch bei Modernisierungen in die Produktion integrieren."

„Der wichtigste Punkt ist, mobile Robotik idealerweise von Anfang an als festen Bestandteil der Anlagenarchitektur mitzudenken. Gleichzeitig helfen standardisierte, modulare Ansätze: Mit Plattformlösungen, die schnell verfügbar sind, lassen sich Projekte deutlich einfacher umsetzen. Sie ermöglichen eine schnelle Inbetriebnahme und funktionieren sowohl im Retrofit als auch in der Neuanlagenplanung.“

„Mobile Robotik ist kein Add-on mehr, sondern ein zentraler Baustein für flexible und zukunftsfähige Produktions- und Logistikkonzepte. Ihr volles Potenzial entfaltet sie, wenn sie von Anfang an in die Planung einbezogen wird, bietet aber auch im Retrofit klare Wettbewerbsvorteile.“